Wer wissen will, wie reich ein Family Office ist, sollte nicht nach der Rendite fragen, sondern nach dem Nachfolger. Die neue Bank-of-America-Studie zeigt Vermögensverwalter, die zu 38 Prozent in Alternatives stecken und weitere Zukäufe planen, und zugleich Büros, von denen jedes fünfte binnen drei Jahren seinen Chef verliert. Das Portfolio ist also langfristig gedacht, die Führung ist es erst auf den zweiten Blick.

Executive Summary

  • Family Offices: Die Bank-of-America-Studie 2026 (355 Entscheider, überwiegend Büros über 500 Millionen Dollar) beziffert den Alternatives-Anteil mit 37,7 Prozent. 59 Prozent wollen Private Equity aufstocken, aber nur 41 Prozent Private Credit. Bei 79 Prozent der Büros mit möglichem Nachfolger wird der Alternatives-Anteil nach dem Wechsel erwartet zu steigen; 21 Prozent rechnen binnen drei Jahren mit dem Abschied des Büro-Chefs.
  • Tokenisierung: Der verteilte Wert auf rwa.xyz liegt am 26. Oktober bei 39,01 Milliarden Dollar, gegenüber 39,23 Milliarden vor einer Woche ein Minus von rund 0,2 Milliarden. Der erfasste Wert sprang von 367,74 auf 389,22 Milliarden. Der DTCC-Start ist am letzten Oktoberwochenende weiterhin „für Oktober erwartet“, ohne Datum.
  • Endowments: Yale hat für das Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026 bis heute nichts veröffentlicht, ich finde keine Meldung. Im Vorjahr kam sie am 24. Oktober.
  • Regulatorik: Keine datierbare Neuerung zu ELTIF, ESMA oder BaFin in dieser Woche.

1. Endowment & Alternatives

Yale schweigt noch, und das Schweigen ist eine Meldung von begrenztem Wert. Der Bericht über das Geschäftsjahr 2026 ist überfällig gegenüber dem Vorjahrestermin, wenn auch nicht gegenüber irgendeiner Pflicht. Ich führe das Haus deshalb weiter nur als Denkrahmen: 11,1 Prozent für 2025 bei einer Alternatives-Quote von etwa zwei Dritteln. Harvards 27,1 Prozent aus dem letzten Report bleiben der Maßstab, an dem sich Yales Zahl messen lassen muss, und die Frage wird weniger lauten, ob Yale mithalten kann, als ob ein Haus mit hohem Buyout-Anteil in einem Jahr mit liquiden Treibern überhaupt vorn liegen sollte.

Meine Einordnung: Es lohnt sich, die Veröffentlichung abzuwarten, bevor man aus der Harvard-Zahl eine Branchenregel ableitet. Ein einzelnes Haus ist eine Stichprobe, zwei sind ein Vergleich, und erst die Spreizung zwischen ihnen sagt etwas über die Strategie. Eine Beobachtung also, kein Urteil, solange der zweite Wert fehlt.

Quellen: Yale News (Vorjahresbericht 24.10.2025); Suche nach einer FY2026-Meldung am 26.10.2026 ohne Treffer.

2. Tokenisierung & RWA

rwa.xyz26.10.202630 TageVorwoche (19.10.)
Distributed Asset Value39,01 Mrd. USD+0,79 %39,23 Mrd.
Represented Asset Value389,22 Mrd. USD+7,95 %367,74 Mrd.
Inhaber (Total Asset Holders)5,32 Mio.+10,41 %nicht erhoben

Quelle: app.rwa.xyz, Abruf 26.10.2026 (Seitenstand laut Chart „as of 10/26/2026“). Die Zahlen stammen aus einem automatisierten Seitenabruf; die Inhaberzahl habe ich in den Vorwochen nicht geführt.

Die Geschichte der letzten Wochen setzt sich fort, diesmal mit einem Vorzeichenwechsel beim kleinen Wert. Der erfasste Wert wuchs in sieben Tagen um gut 21 Milliarden Dollar oder knapp 6 Prozent, der verteilte schrumpfte um rund 220 Millionen. Wer Tokenisierung am größeren Wert misst, sieht Aufbruch, wer sie am kleineren misst, sieht Stillstand. Auffällig ist die Inhaberzahl: 5,3 Millionen Adressen auf einer Fläche von 39 Milliarden verteiltem Wert sind im Schnitt keine 8.000 Dollar pro Halter, was nach Kleinstpositionen aussieht und nicht nach institutionellem Bestand. Das ist eine Rechnung von mir, kein Ausweis der Plattform.

Beim DTCC ist der Stand unverändert. Die Seite des Hauses nennt als letzten Eintrag die Produktivtransaktionen vom 15. Juli mit rund 40 Firmen und verweist für den kommerziellen Start auf „Oktober 2026“, ohne Tag und ohne Vollzugsmeldung. Ich führe das als Erwartung.

Meine Einordnung: Man könnte argumentieren, ein Markt, der nach Plattformzählung um sechs Prozent in der Woche wächst, sei im Aufschwung. Ich würde sogar trennen zwischen dem, was Plattformen katalogisieren, und dem, was Investoren halten: Das eine ist Reichweite, das andere Kapital. Die Entscheidung fällt nicht in einer Wochenzahl, sondern an dem Tag, an dem eine Depotbank ein Wertpapier ohne Pressemitteilung auf der Kette abwickelt.

3. Family Office Trends

Die Bank-of-America-Studie, am 20. Oktober von Alternatives Watch ausgewertet, ist die erste größere Erhebung des Herbstes und stützt sich auf eine Befragung von Januar und Februar 2026 durch Escalent. Der Alternatives-Anteil liegt im Mittel bei 37,7 Prozent der Portfolios, davon Private Equity 27,2, Immobilien 18,6, Venture 16,2, Hedgefonds 14,3 und Private Credit 9,9 Prozent (jeweils Anteil an den Alternatives). Liquide Mittel machen 55,2 Prozent aus, darunter 12,2 Prozent Bargeld und 7,8 Prozent Kryptowerte. Hinzu kommt ein Zugangsweg, der bemerkenswert unternehmerisch klingt: 40,6 Prozent der Alternatives gehen direkt ins Unternehmen, und 67 Prozent der Befragten halten andere Family Offices für bessere Quellen von Gelegenheiten als Private-Equity-Häuser.

Die Absichten: 59 Prozent wollen Private Equity erhöhen, 51 Prozent Venture, 47 Prozent Immobilien, je 41 Prozent Hedgefonds und Private Credit. Kapitalwachstum ist für 58 Prozent das Hauptziel, Ausgewogenheit für 22, Ertrag für 20 Prozent.

Meine Einordnung: Interessant erscheint die Gegenüberstellung mit den Kreditfonds der vergangenen Wochen: Private Credit steht in der Absichtsliste hinten, in den Schlagzeilen vorn. Offen gesagt nennt die Studie dafür keinen Grund, und die Erhebung stammt aus dem ersten Quartal, also vor den späteren Rückgabedeckelungen. Der zweite Gedanke steckt in der Nachfolge: Wer 79 Prozent Zuwachs bei Alternatives nach einem Generationswechsel erwartet und zugleich ein Fünftel Chefwechsel in drei Jahren, plant auf Papier länger, als die Büros selbst Bestand haben. Ob das Vertrauen in die Strategie oder in die Trägheit der Strategie steckt, lässt sich der Umfrage nicht entnehmen.

Quelle: Alternatives Watch, 20.10.2026, nach „2026 Bank of America Family Office Study“ (Escalent, 355 US-Entscheider). Nur US-Büros; Übertragbarkeit auf deutsche Familien ist nicht belegt.

4. Neue Produkte & Regulatorik

Keine neue ESMA-, BaFin- oder ELTIF-Maßnahme gefunden, die ich mit Datum und Primärquelle belegen könnte. Der belegte Marktstand bleibt der aus dem Börsen-Zeitung-Bericht vom 27. August nach Scope: 315 ELTIFs bis Ende Juli, 49 Neuauflagen im Jahr nach etwa 70 im Vorjahreszeitraum, knapp die Hälfte Private Debt, mindestens 26 Evergreen-Fonds. Das ist keine neue Zahl und wird hier nur als Referenz genannt.

Investment-Implikationen für das LONGVESTI-Portfolio

Das Family Office hat vor dem Privatanleger einen Vorteil, der in keiner Allokationsgrafik steht: eine Organisation, die über Generationen hinweg verwaltet. Die Studie bestätigt die Alternatives-Quote von knapp 40 Prozent, sie zeigt aber auch, dass die Beständigkeit des Portfolios eine Frage der Menschen ist, die es führen. Für ein Portfolio, das Healthspan und Wealthspan verbindet, folgt daraus eine nüchterne Verschiebung der Gewichte. Interessanter werden Bausteine, die ohne ständiges Eingreifen funktionieren und eine Übergabe überstehen. Uninteressanter wird alles, was einen Spezialisten am Steuer braucht, der in drei Jahren vielleicht nicht mehr da ist, ebenso wie Produkte, deren Liquidität nur auf dem Prospekt steht.

Die Sorge dahinter kenne ich aus Beobachtung: dass ein Vermögen, mühsam aufgebaut, bei der Übergabe an dem scheitert, was nirgends dokumentiert war. Ich beobachte diese Zahlen zuerst für mich, und mir fällt auf, wie selten in der Debatte über Renditen die Frage vorkommt, wer das Geld in zwanzig Jahren versteht. Das ist Einordnung, keine Anlageberatung.

Die These der Woche: Eine Quote beschreibt, wo das Geld liegt, die Nachfolge beschreibt, wie lange es dort bleibt.

Quellen

Alternatives Watch, Family Offices / Bank of America Study (20.10.2026) — alternativeswatch.com/2026/10/20/family-offices-private-equity-investment-bofa-2026 · rwa.xyz, Abruf 26.10.2026 — app.rwa.xyz · DTCC, Live Production Trades / Tokenization Service — dtcc.com/products-and-services/digital-assets/tokenization/live-production-trades · Yale News, Jahresbericht FY2025 (24.10.2025), als Rahmen — news.yale.edu/2025/10/24/yale-reports-investment-return-fiscal-2025 · Börsen-Zeitung, Eltif-Markt wächst (27.8.2026) — boersen-zeitung.de/banken-finanzen/eltif-markt-waechst-49-neue-fonds-bis-ende-juli-2026 · Vorwochen-Report — Investment-Report vom 19. Oktober 2026

Nicht verwertbar in dieser Woche: Bloomberg, FT, Institutional Investor, Chainalysis, fundview, BVAI lieferten keine datierbare Neuigkeit zu den vier Rubriken. Zum Private-Credit-Update der Vorwoche fand sich keine neuere Zahl.